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Inspiration aus der Klimaanlage

"Mit ätherischen Ölen die Atmosphäre verbessern"


von Bernd Wahl

für onlineMagazin AMBIDEA.DE

„Hier wurde etwas Abenteuerliches getestet“, stellt Beate Nagel naserümpfend fest. Der dumpfe, moosige Geruch im Sitzungszimmer behagt ihr nicht. Zielsicher greift sie nach einem Flakon mit der Aufschrift „Himalaya Morning“ und sprüht einmal kurz. Sekunden später füllt ein zartes Bukett frischer Berghölzer den Raum. Beate Nagel holt tief Luft und lächelt zufrieden. „Bestimmte Duftkomponenten wirken kreativ, inspirierend und anregend“, verrät die Expertin.

Düfte und ihre Wirkung, das ist ihr Metier. Firmenchefs wenden sich an sie, um Computersmog aus Büros zu vertreiben, anziehende Duftoasen auf Messen zu schaffen oder Kunden eine angenehm entspannte Atmosphäre zu bereiten. Beate Nagel arbeitet als Projektmanagerin bei „Aromata International“. Die Allgäuer Firma hat sich auf das Beduften großer Räume spezialisiert: „Unternehmer, die zu uns kommen, haben eine genaue Vorstellung, welche Wirkung sie erzielen wollen. Wir stellen dann den passenden Duft zusammen.“ Und der wird über Klimaanlagen oder unauffällige Diffusoren verbreitet.

Die Mischungen bestehen aus naturreinen Ölen. Firmengründer Kurt Ludwig Nübling kann aus einem riesigen Duftvorrat schöpfen, denn ein Stockwerk tiefer sitzt sein Zweitbetrieb und Öllieferant „Primavera Life“. Tausende kleiner Fläschchen lagern hier in mannshohen Regalen. Gut 300 Standardmixturen sind vorrätig. Eine holt Nübling hervor und deckt mit der Hand das bunte Etikett auf dem Flakon ab.

Ein tiefer Atemzug, ein Tremolo wirbelt im Kopf. „Concentration mit Eukalyptus“. Der Unternehmer zeigt lächelnd den Schriftzug und erklärt: „Eine unserer ersten Kreationen, sehr kopfnotenreich.“ Samtig weich mutet dagegen die Mischung „Inspiration“ an: Geranien liefern so genannte Herznoten. Die Namen offenbaren meist schon die Wirkung. So hilft gestressten Seelen „Relax“ – „weiches Sandelholz, mein Lieblingsduft“, schwärmt Nübling.

Eine Passion für Düfte haben bei „Aromata International“ alle Mitarbeiter. Im Hausflur verbreiten Alabasterbrunnen und mondförmige Lampen verschiedene Gerüche. Sie wechseln mit der Tageszeit: morgens fruchtig frisch, mittags mit einem Hauch von Herznoten. Zum Feierabend kommt verströmt die Räucherschale Betörendes. Zudem stehen an allen Arbeitsplätzen Dutzende Flakons. „Jeder hat seinen Favoriten. Besonders beliebt ist Limone. Das fördert die Konzentration“, weiß Beate Nagel.

Das alles sind Erfahrungen, die sie an Kunden weitergibt. So duftet der Messestand von Hewlett Packard beispielsweise schon seit Jahren nach beruhigenden Hölzern. Beim Personal stößt das auf gute Resonanz, wie Umfragen beweisen. Und es hat laut der Expertin noch einen positiven Nebeneffekt: „Ätherische Öle wirken antibakteriell. Der Krankenstand in bedufteten Räumen sinkt in der Regel.“

Das Öl im Glaseinsatz ist das duftige Geheimnis der Leuchte, verrät Beate Nagel






Glühende Sonne, endlose Savanne, wilde Tiere... Viele Bilder fallen einem zu Afrika ein, doch wie riecht es dort? Die Expo-Gesellschaft hatte für die Afrika-Pressekonferenz einen wilden Safariduft bei „Aromata“ geordert. „Bevor man mit einer solchen Aufgabe ins Labor geht, braucht man eine genaue Vorstellung“, weiß Duftberaterin Beate Nagel.

Bücher wurden gewälzt, Fotos gesichtet, Öle probegerochen und schließlich verschiedene Gerüche gemixt. Mit drei Varianten „Afrika“ fuhr die Expertin nach Hannover. „Dann wurde trotz Warnungen die wildeste Mischung ausgewählt. Eigentlich konnte ich damit für nichts garantieren“, berichtet sie. Doch der Erfolg auf der Weltausstellung war durchschlagend: Die Journalisten genossen Afrika in vollen Atemzügen und waren beeindruckt.

Es gab Anfragen, bei denen bekommt Beate Nagel noch heute eine Gänsehaut. „Ein niederbayrischer Ort wollte für eine Landwirtschaftsausstellung allen Ernstes Güllegeruch haben“, erzählt sie. Nicht, dass es ein Problem gewesen wäre, so etwas zu komponieren – doch lässt es sich gegenüber den Ausstellungsbesuchern verantworten? „Ich konnte die Organisatoren schließlich zu einem Heuduft überreden. Der war wesentlich angenehmer“, erinnert sie sich. Und nach Landwirtschaft roch es allemal.

Noch konzentrierter wurden Gerüche auf einer Frankfurter Messe eingesetzt. „Zu jedem Ausstellungsstück präsentierten wir eine Kiste mit dem passenden Duft“, berichtet Beate Nagel. Beim Lüften des Deckels entwich ein Geruch, der sich sofort mit dem Exponat in Verbindung bringen ließ: Edelsteine wurden mit dem kostbaren Aroma der Iris verfeinert, Panamahüte mit Kakao und Kerzen mit Honigduft. Nagel: „Bei solchen Projekten möchten wir zeigen, wie stark Düfte wirken können.“


Für Chemiker ist es ein Kinderspiel, den Geruch von Erdbeeren herzustellen, für die Experten von „Aromata“ dagegen unmöglich. Projektmanagerin Beate Nagel: „Dieses Aroma lässt sich nicht destillieren, deshalb müssen wir ohne diesen Duft auskommen.“ Die Allgäuer Spezialfirma in Sachen Raumbeduftung hat ihre Prinzipien und die verlangen Natur pur.


„Synthetische Düfte können Kopfschmerzen verursachen“, erzählt Beate Nagel auf dem Weg zur Schatzkammer des Unternehmens – dem Öllager. In einer unauffälligen Halle neben dem Firmengebäude ist die Welt naturreiner Düfte auf wenigen Quadratmetern Fläche komprimiert. Triste Kacheln, zwei einfache Regale und ganze Batterien brauner Glaskolben mit handgeschriebenen Etiketten erinnern eher an eine Apotheke als an eine Parfümerie. Doch das täuscht. Die Flaschen enthalten wahre Kostbarkeiten.

„Die Öle stammen meist aus biologischen Anbauprojekten, die von unserem Zweitbetrieb &Mac226;Primavera Life? initiiert wurden. Sie werden noch im Herkunftsland destilliert", erzählt Beate Nagel. Am Rande des Himalaya ernten heimische Bauern wildes Lemongrass, in Peru Eisenkraut und in Frankreich Berglavendel. Blütendüfte werden in Indien und in der Türkei gewonnen.

Die Hüterin dieser Schätze, Antonia Leube, nimmt eines der unscheinbaren Fläschchen aus dem Regal: Rosenduft. „Bis zu 8.000 Mark kostet das Kilogramm“, sagt sie. Übertroffen wird die edle Rose in Aroma und Preis noch durch den Inhalt einer kleinen Holzkiste, die sie aus einem separaten Schrank holt: Irisöl, „der Edelstein unter den Düften“. Es kostet das Zehnfache des Rosenöls. Die Expertin: „Iris zählt zu den intensivsten Gerüchen, meist reicht ein Tropfen für eine Mischung aus.“

„Für jede Zeit und jeden Ort gibt es den passenden Geruch“, sagt Beate Nagel. Mit den Ratschlägen der Duftexpertin werden die eigenen vier Wände zur Erlebniswelt für die Nase. Fünf Tropfen Öl genügen, um die richtige Atmosphäre zu zaubern.

Am einfachsten lassen sich Wohlgerüche mit Sprühflakons oder dem klassischen Duftlämpchen verbreiten. Doch es geht auch raffinierter: „Ein Genuss für alle Sinne“, findet Beate Nagel und meint die mondförmige Alabasterlampe auf dem Tisch. Das transparente Material sorgt für sanftes Licht. Doch das ist nicht der Clou – der sitzt verborgen an der Seite der Leuchte: In einem Glaseinsatz verdunsten Rosenöl und Wasser, sodass der Alabastermond einen zarten Duft verströmt.

Die Innenarchitekten Hans-Otto Bathen und Hartmut Tromberend entwarfen dessen modernes Design. Für die Firma „Aromata“ gestaltete das Duo aus Hannover eine ganze Serie von Einrichtungsobjekten mit Odeur: vom geheimnisvollen Duftbrunnen mit Nebeleffekt bis zur poppigen Farbleuchte Flash.

„Natürlich muss man immer schauen, was zur Einrichtung passt. In einem Bankhaus kann ich motivierende Düfte nicht nur mit einer Leuchte verbreiten“, sagt Beate Nagel. Hier bieten sich unauffällige Diffusoren oder patentierte Einheiten für die Klimaanlage ein.

16.10.01


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