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Text: Marcus Luft

„VOLL DUFTE“
"Nette Chefs kommen in den Himmel. Kluge gehen zu AROMATA und lassen Büros mit Wohlfühl-Ölen beduften."

Das also ist die Bayerische Landeskirche. Erst mal erkennt man nur Holz. Wahrscheinlich Tanne. Harzig ist das alles, der Geruch so intensiv wie Hustinetten-Drops. Und weiter?
Nichts weiter. Mehr kann man kaum sagen über dieses Plastikfläschchen mit der Aufschrift "Bayer.Landeskirche". Oder doch? "Man kommt sich doch wirklich vor wie bei einem Waldspaziergang", philosophiert Beate Nagel mit geschlossenen Augen. "Ich sage immer: Man atmet tief durch, wenn man die Landeskirch in der Nase hat." Nagel muss es wissen. Sie ist Projektleiterin bei Aromata International, einem Unternehmen, das sich auf die Beduftung großer Räume spezialisiert hat. "Der Mensch ist Natur und kann nicht mehr in natürlicher Umwelt arbeiten", doziert Nagel. "Deshalb bringen wir sie zu ihm ins Büro."
Klingt gut – finden offensichtlich Unternehmen wie Hewlett-Packard oder Citroen, die bei Aromata in der Kartei stehen. "Ich lege bei der Beduftung Wert auf das Wort natürlich", erklärt Beate Nagel. Mittlerweile riecht es ja im Supermarkt nach künstlichem Brötchen-Aroma." Angeekelt schüttelt sie den Kopf. "Stellen Sie sich vor: Es werden sogar alte Autos mit Neuwagenspray besprüht! Mit solchen Duftfallen haben wir nichts zu tun." Ganz toxisch. Ganz gefährlich!
Anders bei Aromata International. Hier wird zwar auch auf industrielle Wohlfühlerzeugnisse gesetzt. Aber nur mit naturreinen, ätherischen Ölen der Schwesterfirma "Primavera Life", Weltmarktführer in diesem Segment. Am Eingangstor des Firmensitzes im Allgäu frösteln Raucher. "Wir müssen draußen bleiben", steht auf ihren roten Nasen geschrieben. Im Gebäude riecht es – natürlich – gut. Zitrus, Duftlämpchen-Fans wissen es, wirkt "aufmunternd". Am Sitzungszimmer baumeln Kristalle. Sie schützen vor der Aura der gegenüberliegenden Müllkippe und zentrieren positive Energie.
Ein köstlicher, dem Besucher wohlgesonnener Geruch liegt im Raum. Lecker, Wurstsemmeln!! Nach der dritten ist der Beweis erbracht, dass Beate Nagel Recht hat, wenn sie Düfte als "geheime Verführer" bezeichnet. Mensch riecht Leberkäse, bekommt Hunger, greift zu.
So verhält es sich auch mit Aromata-Produkten. "Unsere Kunden sagen, welche Wirkung sie erreichen möchten. Wir stellen den passenden Duft zusammen." So wollte Telefonanbieter Viag Interkom, dass der Computersmog verduftet. Statt Ficus-Benjamin-Hainen sorgt jetzt das Aromata-Beduftungs-Gerät "Wonder in the Air" in den Viag-Call-Centern für "spritzige Frische". Die positiven Vibes gibt´s als Schnäppchen: Das "Luftwunder" kostet 2600,00 Mark, die dazugehörigen Zehn-Tages-Ration Kuschel-Öl 38 Mark. "Die Unternehmen wissen", glaubt Frau Nagel, "dass Mitarbeiter mehr leisten, wenn sie sich wohlfühlen."
Dass Aromata-Chef Kurt Ludwig Nübling gelassen wirkt, liegt nicht nur an der Lavendelessenz (Lippenblütler mit besänftigendem Effekt) im Springbrunnen. Auch die wirtschaftliche Situation von Aromata International ist beruhigend. Die Bilanzen riechen nach steigendem Umsatz. Im Sommer beziehen rund 80 Mitarbeiter sogar ein größeres Gebäude mit Blick auf Neuschwanstein.
Die Realisation der Aromata-Luftschlösser liegt nicht ganz so weit in der Ferne. Eigene Duft-Cis (Corporate Identity) will Nübling für Firmen kreieren. Und selbst die Herstellung einer Art esoterischem Ecstasy ist möglich. In einer Frankfurter Techno-Disco wurde das Öl mit bewusstseinserweiternder Wirkung getestet. Erfolgreich, natürlich. Nur seinen Lieblingsduft wird Nübling nie herstellen. "Gegen den Geruch, den man ausströmt, wenn man verliebt ist, kommt nichts an."

Januar 2001

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